Reh / Rehwild

Das europäissche Reh ist der kleinste, einheimische Vertreter der Hirsche. Zahlenmäßig gehört es zur verbreitesten großen Wildart in unseren Breiten. Rehwild ist sehr anpassungsfähig und kann daher in der verschiedensten Lebensräumen vorkommen.

Fakten zum Reh

Die männlichen Rehe heißen Bock. Das weibliche Rehwild wird als Ricke bezeichnet, die jüngeren Weibchen als Schmalreh. Der Nachwuchs heißt Kitz oder auch Rehkitz.

Gewicht: ♂ bis zu 32 kg, ♀ bis zu 28 kg
Kopf-Rumpf-Länge: ♂ bis 135 cm ♀ bis 120 cm
Schulterhöhe: ♂ 60–75 cm ♀ 60–70 cm
Lebenserwartung: In der freien Wildbahn bis zu 15 Jahre
Paarungszeit: Mitte Juli bis Mitte August
Tragzeit: etwa 41 Wochen inklusive der Keimruhe, häufig bis zu 2 Kitze, seltener bis 4 Kitze

Wissenschaftlicher Name: Capreolus capreolus
Englisch: Roe deer
Niederländisch: Ree

Aussehen des Rehs

Wissenschaftlich betrachtet ist das Reh ein Trughirsch. Es ist daher näher mit dem Rentier, dem Elch oder dem amerikanischen Weißwedelhirsch verwandt als mit dem Rot- oder Damhirsch.

Der Körper des Rehs wirkt gedrungen, eher quadratisch. Der Hals ist im Verhältnis lang und schmal. Die Rückenlinie ist leicht gebogen. Die Vorderläufe wirken recht dünn, die Hinterläufe haben eine kräftige Muskulatur. Der Wedel (Schwanz) ist sehr kurz und nicht besonders auffällig.

Rehe haben im Sommer ein auffallend rötlich-oranges Fell. Gelblich-braune Exemplare sind auch zu beobachten. Die kleinen Rehkitze haben auffallende weiße Flecke. Der Spiegel des Rehs ist im Winter hellgrau oder weiß, im Sommer eher beige-braun.

Der Fellwechsel findet beim Reh April–Mai und im September–Oktober statt. Ältere weibliche Rehe verfärben sich in der Regel erst später, häufig erst nach der Geburt der Jungen.

Eine recht seltene Farbvariante sind die Schwarzen Rehe. Sie kommen hin und wieder in Norddeutschland vor. In extrem seltenen Fällen gibt es weiße oder gescheckte Rehe.

Geweih des Rehbocks

Die männlichen Rehe haben ein kleines Geweih. Es wird wie bei den anderen Hirscharten jedes Jahr abgeworfen und wächst ebenso auch wieder nach. Im November/Dezember findet der Geweihabwurf statt. Das Geweih wächst über die Wintermonate. Es kann ca. 15 – 20 cm lang werden.

Zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensjahr ist das Wachstum am stärksten. Bis zum sechsten Lebensjahr nimmt der Durchmesser des Geweihs immer mehr zu. Bei älteren Böcken wird das Geweih dann wieder schwächer. Das Geweih eines ausgewachsenen Rehbocks hat auf jeder Seite drei Enden.

Lebensweise des Rehwilds

Rehe leben den größten Teil des Jahres an einem festen Standort. Die weiblichen Rehe bilden bilden meist einen kleinen Familienverbund. Dieser besteht aus der Ricke und den Kindern aus dem gleichen und dem Vorjahr.

Die männlichen Rehe leben als Einzelgänger. Ab März suchen die Rehböcke ihr Einstandsgebiet. In diesem dulden sie keine anderen Böcke. Hier leben sie standorttreu bis zur Blattzeit (Paarungszeit) im Juli–August.

Das Reh suhlt sich anders als einige Hirscharten nicht. Aufgeschreckte Rehe suchen gewöhnlich mit wenigen, schnellen Sprüngen Schutz in Dickichten.

Fortpflanzung und Aufzucht beim Reh

Die Paarungszeit wird beim Rehwild Blattzeit genannt. Sie findet im Juli bis Mitte August statt.

Die Rehböcke bilden hierbei mit den Ricken keine Rudel. Sie suchen einzelne bereite Ricken  und ziehen nach der Paarung zur nächsten Ricke weiter.

Nach der Paarung entwickelt sich das befruchtete Ei nicht weiter. Erst ab Dezember ist die Keimruhe vorbei. Die Rehkitze kommen im Mai bis Anfang Juni zur Welt.

Ernährung des Rehwilds

Der Nahrungsbedarf eines ausgewachsensen Rehs beträgt pro Tag 4-5 kg an unterschiedlicher Nahrung. Rehe sind bei der Nahrungsaufnahme sehr wählerisch. Es wird bevorzugt leichte, eiweißreiche Kost gesucht.

Die Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern, Klee, Blüten, Blättern und Knospen, ebenso Triebe von Sträuchern und Bäumen. Im Spätsommer und Herbst werden gerne auch Baumfrüchte und Obst, sowie Beeren und Pilze verspeist. Natürlich werden auch Feldfrüchte nicht verschmäht.

In der Fachsprache wird das Reh auch als Konzentratselektierer bezeichnet. Es sucht sich seine Nahrung sehr gezielt aus und rupft sich hier und da nur vereinzelte Stücke anstatt wie Hirsche kraftvoll voran zu äsen. Rehe gelten daher umgangssprachlich als vernascht.

Feinde des Rehwilds

Der Mensch stellt heutzutage in der Natur die größte Bedrohung dar. Doch nicht nur die Jagd findet hier ihren Stellenwert. Viele Rehe sterben auch auf den Verkehrsstraßen und bei der Feldernte. Hier sind insbesondere die Kitze betroffen.

Zu seinen natürlich Feinden zählen heute der Rotfuchs, Luchs und Wolf.

Lebensraum des Rehs

Rehe sind heutzutage in fast allen Landschaftstypen anzutreffen. Mochte es früher mehr Waldlichtungen, Wiesen und Felder am Waldrand, so lebt es mittlerweile auch in deckungsloser Feldflur.

Rehwild Vorkommen

Rehe kommen in Europa in fast allen Gebieten recht häufig vor. Ausnahmen bilden hier Irland, Korsika und Sardinien, wo es keine Rehvorkommen gibt. In Deutschland ist das Reh dank seiner Anpassungsfähigkeit in allen Bundesländern nahezu flächendeckend verbreitet.

Rehe durften zu Königszeiten auch von  Nichtadligen gejagt werden. Daher  waren sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu ausgestorben. Nur durch ihre gute Anpassungsfähigkeit haben sich die Bestände erholt.

Rehwild Jagdrecht

In Deutschland unterliegt das Reh dem Jagdrecht. Hier werden jedes Jahr mehr als eine Million Tiere geschossen.

Für den Jäger zählt das Reh zum Niederwild, was historisch bedingt ist. Anders als Hirsche, durften sie auch von Nichtadligen gejagt werden. Der Jäger spricht auch vom Hirsch des kleinen Mannes.

In der kommerziellen Wildtierhaltung spielt das Reh keine Rolle.

 

Rehwild in Wildparks

Rehe sind in Wildparks nur schwer zu halten. Zum einen sind sie sehr scheue Tiere und zeigen sich nur ungern dem Besucher. Zum anderen sind sie vom Futter her eher als anspruchsvoll zu bezeichnen und auf engem Raum nur schwer zu ernähren. Daher sind sie nicht so oft in den heimischen Wildparks anzutreffen wie Rothirsch, Skiahirsch und Damhirsch.

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