Der Baummarder ist der gewandteste Kletterer unter den heimischen Marderartigen. Er bewohnt ausgedehnte Wälder und ist dort so sehr zu Hause, dass er springend von Ast zu Ast wechselt und selbst den Baumkronen mühelos folgt. Obwohl er in Deutschland weit verbreitet ist, bekommt man ihn kaum zu Gesicht. Er ist scheu, überwiegend nacht- und dämmerungsaktiv und lebt tief im Wald, weit abseits menschlicher Siedlungen.
Fakten zum Baummarder
Männliche Baummarder heißen Rüde, weibliche Fähe. Der Nachwuchs wird als Jungmarder bezeichnet. Rüden sind deutlich größer und schwerer als Fähen.
Gewicht: ♂ 1.200 – 2.200 g, ♀ 900 – 1.500 g
Kopf-Rumpf-Länge: ♂ 45 – 58 cm, ♀ 38 – 50 cm
Schwanzlänge: 17 – 28 cm
Schulterhöhe: etwa 15 – 20 cm
Lebenserwartung: durchschnittlich 3 – 5 Jahre in der freien Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 18 Jahre
Fortpflanzung des Baummarders:
Ranzzeit: Juli bis August
Tragzeit: etwa 8 – 9 Monate gesamt (mit Keimruhe), tatsächliche Entwicklung nur etwa 27 – 28 Tage
Geburt: März bis April, 2 – 4 Jungmarder
Wissenschaftlicher Name: Martes martes
Regionale Namen: Gelbkehlchen, Goldhals
Englisch: European pine marten
Niederländisch: Boommarter
Aussehen des Baummarders
Der Baummarder hat einen schlanken, langgestreckten Körper mit buschigem Schwanz und verhältnismäßig langen Beinen für einen Marder. Sein Fell ist dunkelbraun mit einem warm-rötlichen Ton und wirkt samtig und glänzend. Das auffälligste Merkmal ist der gelblich-orange bis cremefarbene Kehlfleck an Hals und Brust, der dem Tier seinen Beinamen Gelbkehlchen eingebracht hat. Dieser Fleck ist einheitlich gefärbt und reicht nicht auf die Vorderbeine herab.
Genau dieser Kehlfleck unterscheidet den Baummarder vom ähnlich aussehenden Steinmarder, der einen weißen, oft zweilappigen Kehlfleck trägt. Ein weiteres sicheres Erkennungsmerkmal ist die Nasenfarbe: Die Nase des Baummarders ist dunkelbraun bis schwärzlich, die des Steinmarders rosa bis fleischfarben. Im Winter sind die Fußsohlen des Baummarders dicht behaart, was ihm das Laufen auf Schnee erleichtert; beim Steinmarder sind die Ballen nackt und unbehaart. Die Ohren des Baummarders sind etwas größer und werden von einem gelblichen Rand gesäumt.
Auch das Gebiss liefert einen Hinweis – besonders wenn das Fell beschädigt ist oder nur der Schädel vorliegt. Der obere Reißzahn (der große Backenzahn, mit dem Marder Fleisch abscheren) ist beim Steinmarder gedrungener und breiter, beim Baummarder schlanker und schärfer. Ähnliches gilt für den dahinterliegenden oberen Molar: beim Steinmarder flächiger, beim Baummarder schmaler. Diese Zahnunterschiede spiegeln die Ernährung wider. Der Steinmarder frisst mehr Früchte und hartes Pflanzenmaterial, der Baummarder ist stärker auf Fleisch ausgerichtet.
Lebensweise und Ernährung des Baummarders
Der Baummarder ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. In ruhigen Wäldern kann er bei langen Sommertagen auch tagsüber beobachtet werden, besonders während der Jungenaufzucht. Winterschlaf kennt er nicht bei extremer Kälte zieht er sich aber in geschützte Einstände zurück und wartet ab.
Als Schlafplatz nutzt er Baumhöhlen, verlassene Krähennester und dichte Fichtenkronen. Eigene Bauten gräbt er nicht. Rüden beanspruchen große Streifgebiete von bis zu 40 Quadratkilometern, Fähen deutlich kleinere. Die Reviere werden intensiv mit Duftmarken aus Analdrüsen, Urin und Kot markiert.
Was der Wald bietet, nimmt der Baummarder. Kleinsäuger wie Wühlmäuse und Waldmäuse bilden das ganze Jahr über die Grundlage seiner Ernährung. Im Frühling erbeutet er Vögel und deren Gelege, im Sommer ergänzt er seinen Speiseplan mit Insekten, Wespen und Hummeln. Im Spätsommer und Herbst können Beeren, vor allem Heidelbeeren und Vogelbeeren, einen Großteil seiner Nahrung ausmachen. Auch Eichhörnchen, Haselmäuse, Aas und gelegentlich Reptilien stehen auf dem Speiseplan.
Fortpflanzung und Jungenaufzucht beim Baummarder
Die Ranzzeit des Baummarders liegt im Juli bis August und damit deutlich früher als beim Steinmarder, dessen Ranz in den Winter fällt. Nach der Paarung kommt es zu einer Keimruhe: Das befruchtete Ei entwickelt sich zunächst nicht weiter und verweilt als Blastozyste im Mutterleib. Erst ab Dezember oder Januar setzt die eigentliche Trächtigkeit ein, sodass die Jungmarder im März oder April zur Welt kommen.
Die Fähe bringt zwei bis vier Jungmarder zur Welt. Die Aufzucht übernimmt sie alleine. Die Jungtiere sind bei der Geburt blind, taub und hilflos. Nach etwa fünf bis sechs Wochen öffnen sie die Augen. Mit zwei Monaten beginnen sie, feste Nahrung aufzunehmen. Im Herbst des Geburtsjahres verlassen die Jungtiere die Mutter und suchen sich eigene Reviere.
Feinde des Baummarders
Der bedeutendste natürliche Feind des Baummarders ist der Habicht. Er kann dem Marder auch im dichten Wald nachsetzen und ist der einzige Greifvogel Mitteleuropas, der ihm dort wirklich gefährlich wird. Weitere Beutegreifer sind der Uhu, der gelegentlich jagende Wolf und der Luchs in entsprechenden Verbreitungsgebieten.
Die größte Bedrohung für den Baummarder geht heute vom Straßenverkehr aus, vor allem für junge Tiere auf Reviersuche im Herbst.
Lebensraum des Baummarders
Im Gegensatz zum Steinmarder ist der Baummarder ein echter Waldbewohner. Er bevorzugt ausgedehnte Laub- und Mischwälder mit hohem Altholzanteil, viel Totholz und reichlich Baumhöhlen. Alte Buchen- und Eichenwälder bieten ihm optimale Bedingungen. Auch Nadelwälder werden besiedelt, sofern sie ausreichend strukturiert sind.
Offene Agrarlandschaften, dichte Siedlungsgebiete und küstennahe Flachländer mit wenig Waldanteil werden gemieden. Anders als der Steinmarder ist der Baummarder kein Kulturfolger und meidet den Menschen.
Baummarder-Vorkommen in Deutschland
Der Baummarder ist in ganz Deutschland verbreitet, aber nirgendwo wirklich häufig. Schwerpunkte liegen in den waldreichen Mittelgebirgen wie Schwarzwald, Bayerischer Wald, Harz, Thüringer Wald, Eifel und Spessart sowie in größeren Waldkomplexen des norddeutschen Tieflandes.
Nach einem Tiefstand der Bestände in den 1970er und 1980er Jahren durch intensive Bejagung und Lebensraumverlust haben sich die Populationen seit den 1990er Jahren erholt. Wiederbewaldung und zunehmende Totholzmengen im Zuge des Waldumbaus kommen der Art zugute. In Österreich und der Schweiz ist der Baummarder in geeigneten Waldgebieten ebenfalls vertreten.
Schutz und Jagdrecht
Der Baummarder unterliegt in Deutschland dem Bundesjagdgesetz. In der Praxis haben fast alle Bundesländer ganzjährige Schonzeiten festgelegt, sodass er faktisch nicht bejagt wird. Auf der Roten Liste Deutschlands wird er auf der Vorwarnliste geführt. Europaweit ist er als geschützte Art aufgeführt.
Baummarder in Wildparks
In Wildparks ist der Baummarder eher selten zu sehen. Seine scheue Lebensweise und ausgeprägte Nachtaktivität machen ihn für Besucher schwer beobachtbar. Wird er gezeigt, benötigt er ein großzügiges Gehege mit Klettermöglichkeiten, Baumhöhlen als Rückzugsort und ausreichend Deckung. Wer Geduld mitbringt, kann ihn in den Dämmerungsstunden beim Erkunden seines Geheges erleben.
[PS_wildtiere_fleischfresser]

