Biber / Europäischer Biber

Der Biber ist das größte heimische Nagetier Europas – und gleichzeitig eines der bemerkenswertesten Wildtiere überhaupt. Er verändert seinen Lebensraum aktiver als fast jedes andere Tier: staut Bäche auf, fällt Bäume, legt Kanäle an. Ende des 19. Jahrhunderts war er in Deutschland nahezu ausgerottet. Heute lebt er wieder an Tausenden von Gewässern, von Bayern bis Brandenburg. Seine Rückkehr ist eine der eindrucksvollsten Artenschutzgeschichten Europas.
Fakten zum Biber

Biber leben in Familienverbänden aus Elternpaar und Jungtieren verschiedener Jahrgänge. Für Biber gibt es keine einheitliche jagdliche Fachterminologie wie beim Schalenwild. Männchen, Weibchen und Jungbiber sind die in Biologie und Jagdbehörden gebräuchlichen Bezeichnungen.

Gewicht: 18 – 30 kg, Einzeltiere bis 35 kg
Kopf-Rumpf-Länge: 80 – 100 cm
Schwanzlänge (Kelle): 25 – 38 cm
Schulterhöhe: ca. 30 – 35 cm
Lebenserwartung: 10 – 12 Jahre in der freien Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 25 Jahre

Fortpflanzung des Bibers

Paarungszeit: Januar – März, Höhepunkt Februar
Tragzeit: ca. 105 – 107 Tage
Geburt: April – Juni (Hauptzeit Mai), 1 – 5 Jungtiere, häufigste Wurfgröße 2 – 3

Namen des Bibers

Wissenschaftlicher Name: Castor fiber
Regionale Namen: Elber (veraltet, österreichisch)
Englisch: Eurasian Beaver
Niederländisch: Europese Bever

Aussehen des Bibers

Der Biber ist gedrungen und walzenförmig gebaut, mit kräftigen Hinterbeinen und großen Hinterfüßen mit vollständigen Schwimmhäuten er ist für das Wasser gemacht. Das Fell ist dicht und wasserabweisend, die Farbe reicht von hellbraun über kastanienbraun bis fast schwarz. Das Fell wird mit Biberfett (Castoreum) eingefettet einem Drüsensekret, das der Biber aus einer Drüse am Hinterleib gewinnt. Das Sekret imprägniert das Fell und macht den Biber für Jäger und Naturbeobachter schon von Weitem riechbar.

Das unverwechselbarste Merkmal ist die Kelle der breite, oval abgeflachte Schwanz, der mit hornartigen Schuppen bedeckt ist. Er dient als Steuerruder im Wasser, als Wärmereserve (eingelagertes Fett für den Winter) und als Warnsignal: Ein lautes Aufschlagen der Kelle auf die Wasseroberfläche alarmiert die gesamte Familie.

Die orangeroten Schneidezähne sind kein Zeichen von Krankheit, sondern von eisenhaltigem Zahnschmelz er macht die Vorderseite der Zähne härter als die Rückseite. Die Zähne schärfen sich dadurch beim Nagen selbst.

Wer den Biber mit Bisam oder Nutria verwechselt: Der Bisam ist viel kleiner (unter 2 kg) und hat einen schlanken, seitlich abgeflachten Schwanz. Die Nutria ist größer als der Bisam, aber kleiner als der Biber, hat einen runden, spärlich behaarten Schwanz und stammt aus Südamerika. Der Biber ist das einzige der drei Tiere, das ursprünglich in Europa heimisch ist.

Lebensweise und Ernährung des Bibers

Der Biber ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Im Sommer und in ruhigen Revieren ist er auch tagsüber unterwegs. Winterschlaf kennt er nicht bei Eis und Kälte zieht er sich in die Burg zurück, hält sich von angelegten Wintervorräten im Wasser und spart Energie.

Er ist ein reiner Pflanzenfresser. Im Sommer frisst er Wasserpflanzen, Gräser, Kräuter, Schilf und Brennnesseln. Im Winter lebt er von der Rinde und den Zweigen von Weichholzarten vor allem Weide, Pappel, Erle und Espe. Gefällte Äste werden vor dem Burgeingang im Wasser verankert, damit sie auch bei Eisbedeckung erreichbar bleiben.

Nicht jeder Biber baut Dämme. Dämme entstehen vor allem in Fließgewässern, wo der natürliche Wasserstand für den Bau oder die Burg nicht passt. Das Ziel ist immer das gleiche: Der Eingang zur Burg muss dauerhaft unter Wasser liegen – das schützt vor Räubern. Dämme können mehrere Meter hoch werden und Dutzende Meter lang sein. Sie stauen Wasser auf, verändern die Umgebung und schaffen neue Lebensräume für Amphibien, Libellen und Wasservögel. Gleichzeitig können sie landwirtschaftliche Flächen vernässen was in Bayern und anderen Bundesländern regelmäßig zu Konflikten führt.

Fortpflanzung und Aufzucht beim Biber

Biber sind monogam und leben in stabilen Familienverbänden – das ist unter Nagetieren ungewöhnlich. Ein Paar hält zusammen, die Jungtiere der vergangenen Jahre bleiben im Familienverband und helfen bei der Aufzucht der neuen Würfe mit. Erst im zweiten oder dritten Lebensjahr verlassen sie das elterliche Revier, oft auf Druck der Elterntiere.

Die Jungen kommen bereits mit geöffneten Augen, vollständigem Fell und ausgebildetem Gebiss zur Welt. Innerhalb weniger Stunden können sie schwimmen, bleiben aber die ersten Wochen in der Burg. Nach sechs bis acht Wochen werden sie abgestillt, nehmen aber schon früher erste feste Nahrung auf.

Jungbiber auf Abwanderung sind besonders gefährdet. Sie verlassen das vertraute Revier, durchqueren fremdes Gelände und überqueren dabei Straßen Der Straßenverkehr ist für diese Altersklasse die häufigste Todesursache.

Feinde des Bibers

Ausgewachsene Biber haben in Mitteleuropa kaum natürliche Feinde. Wolf und Luchs können einen Biber schlagen, bevorzugen aber leichtere Beute. Jungbiber und abwandernde Tiere werden gelegentlich vom Fuchs oder von Greifvögeln wie dem Seeadler erbeutet.

Die größte Bedrohung geht heute vom Straßenverkehr aus. Fischereigeräte – Reusen und Netze sind eine weitere Gefahr, da Biber darin ertrinken können. In Bayern darf der Biber seit 2022 unter bestimmten Voraussetzungen bejagt werden, als ersten streng geschützten Pflanzenfresser, der in die jagdliche Regulierung einbezogen wurde.

Lebensraum des Bibers

Der Biber braucht Wasser und viele Gehölze am Ufer. Langsam fließende Bäche und Flüsse, Weiher, Teiche, Altwässer und Feuchtgebiete sind sein bevorzugtes Zuhause. Entscheidend sind eine ausreichende Wassertiefe, grabfähige Uferböden oder ausreichend Astmaterial für die Burg sowie Weichholzgehölze als Nahrungsquelle.

Der Biber meidet keine Siedlungsnähe. An Münchner Isarauen, im Rhein-Neckar-Raum und an vielen anderen stadtnahen Gewässern lebt er längst mitten unter den Menschen und bleibt dabei meist unbemerkt.

Biber-Vorkommen in Deutschland

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland nur noch rund 100 Biber, eingeklemmt an der Mittelelbe. Von dort aus breitete er sich langsam wieder aus, unterstützt durch gezielte Wiederansiedlungsprogramme ab den 1960er Jahren. Heute leben in Deutschland schätzungsweise 45.000 bis 60.000 Tiere der größte Bestand in Bayern mit über 20.000 Tieren.

In Österreich und der Schweiz verlief die Wiederansiedlung ähnlich erfolgreich. Europaweit hat sich die Biberpopulation von weniger als 1.200 Tieren um 1900 auf heute rund 1,2 Millionen erholt eine der bemerkenswertesten Artenschutzerfolgsgeschichten des 20. Jahrhunderts.

In Deutschland lebt ausschließlich der Europäische Biber (Castor fiber). Mit dem Kanadischen Biber (Castor canadensis), der in Europa nur in Teilen Finnlands vorkommt, teilt er den Namen. Beide Arten können sich nicht kreuzen.

Schutz und Jagdrecht

Der Biber ist in Deutschland nach einer EU-Richtlinie und dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Bayern hat 2022 als erstes Bundesland eine beschränkte Bejagung eingeführt unter strengen Voraussetzungen bei nachgewiesenem erheblichem Schaden. In allen anderen Bundesländern ist der Biber ganzjährig geschützt. Einzelentnahmen sind nur über behördliche Ausnahmegenehmigungen möglich.

Konflikte entstehen vor allem durch Vernässung landwirtschaftlicher Flächen, Untergrabung von Dämmen und Deichen sowie Verbiss an Obstbäumen und Forstgehölzen. Bayern hat als Antwort darauf ein bundesweit vorbildliches System aufgebaut. Rund 500 ehrenamtliche Biberberater vermitteln vor Ort, Entschädigungsfonds gleichen Schäden aus. Und wo ein Biberdamm Felder vernässt, helfen Ablassrohre sie regulieren den Wasserstand, ohne den Damm zu zerstören.

Biber in Wildparks

In Wildparks ist der Biber ein dankbarer Bewohner – wenn das Gehege groß genug ist und einen Gewässerabschnitt bietet. Wer Geduld mitbringt und in der Dämmerung beobachtet, erlebt ihn beim Fällen von Ästen, Schleppen von Zweigen und Pflegen seines Baus. Die frischen Nagespuren an Baumstümpfen und die charakteristisch angespitzten Baumstümpfe sind auch tagsüber gut zu sehen.

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