Dachs

Der Dachs ist der schwerste mitteleuropäische Beutegreifer aus der Familie der Marderartigen aber auch einer der unbekanntesten. Viele Menschen haben zwar schon von ihm gehört, aber kaum jemand sieht ihn. Er ist nachtaktiv, scheu und zieht sich tagsüber in seinen ausgedehnten Bau zurück. Dabei ist er mit Abstand eines der häufigsten Raubtiere in Deutschland und lebt oft mitten in dicht besiedelten Gebieten.

Fakten zum Dachs

Männliche Dachse heißen Rüde, weibliche Fähe. Der Nachwuchs wird als Jungdachs bezeichnet. Gewicht: ♂ 8 – 16 kg (im Herbst vor der Winterruhe bis zu 20 kg), ♀ 7 – 13 kg Kopf-Rumpf-Länge: 60 – 90 cm Schwanzlänge: 12 – 20 cm Schulterhöhe: ca. 30 cm Lebenserwartung: 5 – 8 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 19 Jahre

Fortpflanzung des Dachs

Paarungszeit: Juli – August (Hauptpaarung), teils auch im Frühling Tragzeit: 7 – 8 Monate gesamt mit Keimruhe (eigentliche Embryonalentwicklung ca. 6 – 7 Wochen) Geburt: Februar – März, 2 – 3 Jungdachse (selten bis zu 5)   Wissenschaftlicher Name: Meles meles Regionale Namen: Brock (norddeutsch, historisch), Grisliger (schweizerdeutsch) Umgangssprachlich: Grimbart Englisch: Eurasian Badger Niederländisch: Das

Aussehen des Dachses

Der Dachs ist unverwechselbar. Sein plumper, breit gebauter Körper mit dem kurzen Hals, dem charakteristischen schwarz-weiß gestreiften Gesicht und dem kurzen Stummelschwanz unterscheidet ihn von allen anderen mitteleuropäischen Wildtieren. Der Körper ist oben grau bis graubraun, einzelne Haare sind gebändert und die Unterseite ist schwarzbraun bis schwarz. Das auffälligste Merkmal ist das Gesicht: Auf weißem Grund verlaufen zwei schwarze Längsstreifen vom Nasenansatz über die Augen bis zu den Ohren. Dieses Muster ist artspezifisch und bei keiner anderen mitteleuropäischen Tierart so ausgeprägt. Der Dachs kann ausgezeichnt graben. Seine kurzen, kräftigen Beine tragen starke, gebogene Krallen, mit denen er selbst harten Boden effektiv aufbrechen kann. An einem einzigen Abend kann er erhebliche Erdmassen bewegen.

Lebensweise und Ernährung des Dachses

Der Dachs ist nachtaktiv und verlässt seinen Bau meist nach Einbruch der Dunkelheit. Er legt keinen echten Winterschlaf ein, sondern eine sogenannte Winterruhe: Bei Kälte zieht er sich in seinen Bau zurück, reduziert seine Aktivität und schläft, erwacht aber bei Tauwetterperioden und kann dann kurzzeitig aktiv sein. Diese Winterruhe unterscheidet ihn von echten Winterschläfern wie dem Siebenschläfer oder dem Igel. Dachse leben in lockeren Familienverbänden, die einen gemeinsamen Bau bewohnen. Ein Dachsbau ist oft ein über viele Generationen erweitertes System aus Tunneln, Kammern und Eingängen. Manche Baue sind Jahrhunderte alt und werden von Dachs-Generation zu Dachs-Generation genutzt und ausgebaut. In größeren Bauen können mehrere Familiengruppen gleichzeitig wohnen manchmal sogar gemeinsam mit Füchsen oder Kaninchen. Der Dachs ist ein ausgesprochener Allesfresser. Regenwürmer bilden das ganze Jahr über eine wichtige Nahrungsquelle. In manchen Nächten frisst ein Dachs Hunderte davon. Dazu kommen Insekten und deren Larven, Schnecken, Beeren und Früchte, Pilze, Wurzeln, Mäuse und gelegentlich Aas. Im Sommer und Herbst frisst der Dachs intensiv, um Fettreserven für die Winterruhe aufzubauen sein Gewicht kann sich dabei fast verdoppeln. Wespennester werden regelmäßig ausgegraben. Die dicke Haut und das dichte Fell des Dachses schützen ihn dabei effektiv vor Stichen.

Fortpflanzung und Aufzucht beim Dachs

Die Paarungszeit liegt hauptsächlich im Sommer. Beim Dachs gibt es eine ausgeprägte Keimruhe: Die befruchteten Eier entwickeln sich zunächst nicht weiter und verharren als Blastozyste. Erst gegen Jahresende setzt die eigentliche Trächtigkeit ein, sodass die Jungen im Februar oder März zur Welt kommen tief im warmen, mit trockenem Pflanzenmaterial gepolsterten Bau. Die Fähe bringt zwei bis drei Jungdachse zur Welt. Die Jungen sind bei der Geburt blind und schwach behaart. Nach fünf bis sechs Wochen öffnen sie die Augen. Mit etwa drei Monaten begleiten sie die Mutter auf die ersten Ausflüge. Im Herbst des Geburtsjahres sind sie weitgehend selbständig, bleiben aber häufig noch über den Winter im Familienbau.

Feinde des Dachses

Ausgewachsene Dachse haben in Mitteleuropa kaum natürliche Feinde. Jungdachse können gelegentlich vom Rotfuchs, Uhu oder Steinadler erbeutet werden. Wolf und Luchs können einen Dachs schlagen, wenn sich die Gelegenheit bietet – belastbare Daten aus deutschen Beständen sind jedoch selten. Die größte Bedrohung geht vom Straßenverkehr aus. Der Dachs durchstreift in der Nacht große Gebiete und überquert dabei regelmäßig Straßen. Dachse zählen daher zu den häufigsten Verkehrsopfern unter den mitteleuropäischen Beutegreifern.

Lebensraum des Dachses

Der Dachs ist anpassungsfähig und besiedelt sehr verschiedene Lebensräume. Bevorzugt werden Laub- und Mischwälder mit angrenzendem Grünland, Feldgehölze, Heckenlandschaften und strukturreiche Kulturlandschaften. Entscheidend sind ein grabfähiger Untergrund für den Bau und ausreichend Nahrung in der näheren Umgebung. Der Dachs scheut weder Siedlungsnähe noch dicht bevölkerte Gebiete. In manchen deutschen Städten und Vororten leben Dachsfamilien direkt in Parks, Gärten und unter Schuppen und werden von ihren menschlichen Nachbarn häufig jahrzehntelang nicht wahrgenommen.

Dachs-Vorkommen in Deutschland

Der Dachs ist in ganz Deutschland verbreitet und gehört zu den häufigsten Raubtieren des Landes. Mit einem geschätzten Bestand von mehreren Hunderttausend Tieren ist er trotz seiner Unbekanntheit eines der erfolgreichsten Raubtiere Mitteleuropas. Schwerpunkte liegen in waldreichen Gebieten mit strukturreicher Umgebung er fehlt aber praktisch nirgendwo in Deutschland. In Österreich und der Schweiz ist der Dachs ebenfalls verbreitet und häufig. Europaweit kommt er von Irland und der Iberischen Halbinsel bis nach Westsibirien vor.

Schutz und Jagdrecht

Der Dachs unterliegt in Deutschland dem Jagdgesetz. Fast alle Bundesländer haben Jagdzeiten festgelegt. Die Intensität der Bejagung ist regional sehr unterschiedlich. Auf der Roten Liste Deutschlands ist der Dachs nicht gefährdet. Das historische Dachsgraben das Aufspüren und Heraustreiben von Dachsen aus ihrem Bau ist heute verboten.

Der Dachs in Wildparks

In Wildparks ist der Dachs wegen seiner ausgeprägten Nachtaktivität selten gut zu beobachten. Wo er gehalten wird, braucht er ein Gehege mit grabfähigem Boden und einem naturnahen Bau als Rückzugsort. Wer Geduld mitbringt und in der Dämmerung beobachtet, kann sein neugieriges, naserndes Erkundungsverhalten erleben – nasern bezeichnet das bodennahe Absuchen mit der Nase, das für den Dachs so typisch ist. [PS_wildtiere_fleischfresser]