Der Iltis ist ein Marder und ein naher Verwandter von Steinmarder, Baummarder und Hermelin. Er lebt versteckt, ist überwiegend nachts unterwegs und bevorzugt feuchte Landschaften in Gewässernähe. Viele Menschen haben ihn noch nie zu Gesicht bekommen, obwohl er in ganz Deutschland vorkommt. Bekannt ist er vor allem für seinen intensiven Moschusgeruch, den er zur Verteidigung und Reviermarkierung gezielt einsetzt.
Fakten zum Iltis
Männliche Iltisse heißen Rüde, weibliche Fähe. Der Nachwuchs wird als Jungiltis bezeichnet. Rüden sind deutlich größer und schwerer als Fähen. Der Geschlechterunterschied ist beim Iltis besonders ausgeprägt.
Gewicht: ♂ 700 – 1.200 g, ♀ 300 – 700 g
Kopf-Rumpf-Länge: ♂ 32 – 46 cm, ♀ 29 – 39 cm
Schwanzlänge: ♂ 12 – 19 cm, ♀ 9 – 15 cm
Schulterhöhe: etwa 10 – 15 cm
Lebenserwartung: 2 – 5 Jahre in der freien Wildbahn
In Gefangenschaft: bis zu 8 – 10 Jahre
Fortpflanzung des Iltis
Ranzzeit: März bis April, bei Verlust des Wurfes auch ein zweiter Wurf möglich (dann Mai bis Juni)
Tragzeit: etwa 40 – 43 Tage (ca. 6 Wochen), keine Keimruhe
Geburt: Mai bis Juni, 3 – 7 Jungiltisse, selten bis 8
Namen des Iltis
Wissenschaftlicher Name: Mustela putorius
Regionale Namen: Stinkmarder, Puddel (norddeutsch)
Englisch: European polecat
Niederländisch: Bunzing
Aussehen des Iltis
Der Iltis hat einen langgestreckten, schlanken Körper mit kurzen Beinen. Genau der Körperbau, den Marder brauchen, um durch enge Gänge und unter Wurzeln zu gelangen. Sein Fell ist zweischichtig: Die dunklen, glänzenden Deckhaare sind schokoladenbraun bis fast schwarz, die dichte Unterwolle darunter cremeweiß bis gelblich und schimmert an Bauch und Flanken durch.
Das auffälligste Merkmal des Iltis ist das Gesichtsmuster: Das Gesicht ist hell, fast weiß, während eine dunkle Augenbinde quer über die Augen und die Wangen zieht. Das helle Gesicht mit der dunklen Maske wirkt auf den ersten Blick verkehrt herum. Die meisten Tiere sind im Gesicht dunkel und an der Unterseite hell. Beim Iltis ist es umgekehrt. Kein anderer heimischer Marder zeigt dieses Muster. Die Ohren sind kurz und werden von einem hellen Rand gesäumt.
Unterscheidung von ähnlichen Arten
Der Steinmarder und der Baummarder haben ein einheitlich dunkleres Gesicht ohne die markante helle Maske des Iltis. Der Hermelin ist deutlich kleiner und zeigt im Sommer ein rein braun-weißes Fell ohne die typische Gesichtszeichnung des Iltis. Hybride zwischen Iltis und verwildertem Frettchen kommen vor. Sie zeigen oft unregelmäßige Gesichtsmuster und sind im Feld kaum eindeutig zuzuordnen.
Lebensweise und Ernährung des Iltis
Der Iltis ist überwiegend nachtaktiv und selten bei Tageslicht zu sehen. Tagsüber ruht er in selbst gegrabenen oder übernommenen Erdbauten, Felsspalten, Reisighaufen oder unter Wurzelstöcken. Er legt keine Winterruhe ein und ist das ganze Jahr über aktiv, zeigt im Winter aber eine reduzierte Streifaktivität.
Iltisse sind Einzelgänger. Rüden beanspruchen große Streifgebiete, die sich mit den kleineren Revieren der Fähen überlappen können. Markiert werden sie mit dem Sekret der Analdrüsen. Dieses Sekret ist auch für den intensiven Moschusgeruch verantwortlich, für den der Iltis bekannt ist. Der wissenschaftliche Artname putorius ist kein Zufall: Er leitet sich vom lateinischen putor, dem Gestank, ab.
Der Iltis ist ein auf feuchte Lebensräume spezialisierter Beutegreifer. Frösche und Kröten stellen den größten Teil seiner Nahrung, besonders in den Sommermonaten. Daneben erbeutet er Kleinsäuger wie Mäuse und Wühlmäuse, Fische, Vögel und deren Eier sowie Insekten. Gelegentlich nimmt er auch Aas an.
Eine besondere Verhaltensweise des Iltis ist das Anlegen von Froschvorräten: Er lähmt Grasfrösche durch einen gezielten Biss in die Hirnbasis, tötet sie aber nicht. So kann er Dutzende lebende, frische Frösche in seinem Bau einlagern und in nahrungsärmeren Zeiten darauf zurückgreifen.
Fortpflanzung und Aufzucht beim Iltis
Die Ranzzeit des Iltis liegt im März bis April. Das ist deutlich früher als beim Steinmarder oder Baummarder, deren Ranz im Sommer stattfindet. Keine Keimruhe, kein Aufschub: Anders als Steinmarder oder Rehwild, bei denen die Entwicklung nach der Befruchtung für Monate pausiert, beginnt beim Iltis die Trächtigkeit sofort. Sie dauert etwa 40 bis 43 Tage.
Die Fähe bringt im Mai oder Juni drei bis sieben, selten bis acht Jungiltisse zur Welt. Die Aufzucht übernimmt sie alleine. Die Jungen sind bei der Geburt blind und hilflos. Nach etwa vier Wochen öffnen sie die Augen. Mit zwei bis drei Monaten werden sie entwöhnt und beginnen, selbständig auf Beutesuche zu gehen. Im Herbst des Geburtsjahres verlassen die Jungtiere die Mutter und suchen sich eigene Reviere.
Feinde des Iltis
Der Uhu ist der bedeutendste natürliche Feind des Iltis unter den Vögeln. Er schlägt auch ausgewachsene Tiere. Weitere Beutegreifer sind der Habicht, der Rotfuchs und gelegentlich der Dachs. Gegen viele Angreifer ist der Iltis durch sein Analdrüsensekret gut geschützt, das er bei Gefahr gezielt einsetzen kann.
Die größte Bedrohung geht heute vom Straßenverkehr aus. Iltisse nutzen Gewässerläufe und Grabenränder als Wanderkorridore und überqueren dabei regelmäßig Straßen. Der Tod durch Straßenverkehr gilt als eine der Hauptursachen für den Bestandsrückgang in vielen Regionen.
Lebensraum des Iltis
Der Iltis ist ein Tier der Niederungen und Gewässerränder. Seine Wohngebiete sind Feuchtwiesen, Auen und bewachsene Uferstreifen an Bächen, Flüssen und stillen Gewässern. Er kommt aber auch in Wäldern, auf der offenen Feldflur mit Hecken und Grabenstrukturen sowie am Rand von Siedlungen vor. Entscheidend ist immer ausreichend Deckung und die Nähe zu Amphibiengewässern.
Dichte Wälder ohne Gewässernähe und höhere Gebirgslagen werden weitgehend gemieden.
Iltis-Vorkommen in Deutschland
Der Iltis ist in ganz Deutschland verbreitet, aber nirgendwo wirklich häufig. Schwerpunkte liegen in den feuchten Niederungen der großen Flussauen, etwa an Elbe, Weser, Rhein und in den Donauauen, sowie im norddeutschen Tiefland mit seinen Grüppen, Gräben und Wiesenlandschaften.
Seit den 1980er-Jahren ist der Iltisbestand in Deutschland deutlich zurückgegangen. Hauptursache ist der Verlust feuchter Lebensräume: Entwässerte Wiesen, schwindende Amphibienbestände und ausgeräumte Agrarlandschaften ohne Gräben und Hecken haben dem Iltis vielerorts die Lebensgrundlage entzogen.
In Österreich und der Schweiz ist der Iltis ebenfalls verbreitet, auch dort mit Schwerpunkt in feuchten Niederungslagen.
Schutz und Jagdrecht
Der Iltis unterliegt in Deutschland dem Bundesjagdgesetz und ist damit jagdbares Wild. In der Praxis haben jedoch nahezu alle Bundesländer ganzjährige Schonzeiten festgelegt, sodass er faktisch nicht bejagt wird. Auf der Roten Liste Deutschlands wird der Iltis auf der Vorwarnliste geführt. Die IUCN stuft ihn auf der globalen Roten Liste als „Vulnerable“ (gefährdet) ein. Der genaue Schutzstatus ist im jeweiligen Landesjagdgesetz geregelt und kann sich ändern.
Iltis und Frettchen
Das Frettchen ist ein domestizierter Iltis, wissenschaftlich als Unterart Mustela putorius furo geführt. Die Domestizierung begann vermutlich vor rund 2.000 bis 2.500 Jahren, wahrscheinlich auf der Iberischen Halbinsel. Ursprünglich für die Kaninchenjagd gezähmt: Frettchen trieben das Wild aus den Bauen. Daher bis heute ihr Name.
Iltis und Frettchen können sich miteinander paaren und fruchtbaren Nachwuchs zeugen. Verwilderte Frettchen kreuzen sich mit Wildiltissen, was in manchen Regionen zur Vermischung der Wildbestände führt.
Iltis in Wildparks
Der Iltis ist in Wildparks eher selten zu sehen. Seine ausgeprägte Nachtaktivität und seine scheue Lebensweise machen ihn für Besucher schwer beobachtbar. Wird er gehalten, benötigt er ein Gehege mit Rückzugsmöglichkeiten, Klettergelegenheiten und einem Wasserbecken. Wer Glück hat, kann ihn in den Dämmerungsstunden beim Erkunden seines Geheges beobachten.
[PS_wildtiere_fleischfresser]

