Der Rotfuchs ist das bekannteste und verbreitetste Raubtier Deutschlands. Er kommt überall vor. Seine Verbreitung reicht von den Alpen bis zur Nordseeküste, vom tiefen Wald bis in die Stadt. Kaum ein anderes Wildtier hat sich so erfolgreich an den Menschen und seine Umgebung angepasst. Trotzdem bleibt der Fuchs scheu und vorsichtig. Er wird gesehen, aber selten wirklich beobachtet. Er ist weit häufiger anzutreffen als die meisten vermuten.
Fakten zum Rotfuchs
Männliche Rotfüchse heißen Rüde, weibliche Füchse Fähe. Der Nachwuchs wird als Welpe bezeichnet. Rüden sind etwas größer und schwerer als Fähen.
Gewicht: ♂ 6 – 10 kg, ♀ 5 – 8 kg
Kopf-Rumpf-Länge: ♂ 60 – 90 cm, ♀ 55 – 80 cm
Schwanzlänge (Rute): 35 – 50 cm
Schulterhöhe: 35 – 40 cm
Lebenserwartung: durchschnittlich 2 – 4 Jahre in der freien Wildbahn, biologisch möglich bis zu 10 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 14 Jahre
Fortpflanzung des Rotfuchses
Ranzzeit: Januar – Februar
Tragzeit: 51 – 53 Tage
Geburt: März, gelegentlich bis April, 4 – 6 Welpen
Wissenschaftlicher Name: Vulpes vulpes
Regionale Namen: Reineke, Meister Reinecke, Rotrock
Englisch: Red Fox
Niederländisch: Rode Vos
Aussehen des Rotfuchses
Der Rotfuchs ist schlank und hochbeinig, mit langer spitzer Schnauze, großen aufrechten Ohren und einer buschigen Rute. Die Oberseite leuchtet rotbraun bis fuchsrot, Kehle, Brust und Bauch sind weißlich-grau. Die Läufe sind dunkelbraun bis schwarz. Die Rute endet in einer weißen oder hellgelben Spitze, die in der Jägersprache Blume heißt. Sie ist ein sicheres Erkennungsmerkmal und unterscheidet den Fuchs auf den ersten Blick vom ähnlich großen Marderhund.
Der Marderhund wirkt dagegen gedrungen und kurzläufig, hat eine kurze Rute ohne helle Spitze und trägt eine dunkle Gesichtsmaske wie ein Waschbär. Im Zwielicht auf der Wildkamera kann man die beiden durchaus verwechseln die Blume und der schlanke Körperbau machen den Rotfuchs aber eindeutig kenntlich.
Das Fell wechselt zweimal im Jahr. Im Frühjahr zwischen März und Juni wird das Winterfell abgelegt, im Herbst wächst es neu. Wer einen Fuchs im Sommer sieht, erkennt oft kaum das gleiche Tier: Das Sommerfell ist kurz, licht und ohne Unterwolle, der Fuchs wirkt hagerer und langbeiniger als gewohnt, die Farbe ist blasser und gelblicher. Das Winterfell dagegen leuchtet satt rotbraun bis orangerot, die Unterwolle ist dicht und warm, die Läufe schwarz, die Kehlzeichnung weiß und kräftig. Während des Fellwechsels im Frühjahr sieht der Fuchs übergangsweise zottig und fleckig aus das alte Fell löst sich unregelmäßig ab. Jagdlich ist nur das vollständige Winterfell von Wert; der beste Zeitraum für Fell und Präparat liegt zwischen Mitte November und Ende Februar.
Natürliche Farbvarianten kommen vor: Der Kreuzfuchs trägt ein deutlich sichtbares dunkles Kreuz über Schultern und Rücken auf braunem Grund. Der Silberfuchs ist stark melanistisch fast schwarz mit silbrig schimmernden Grannenhaaren. Beide Varianten sind in Mitteleuropa sehr selten.
Lebensweise und Ernährung des Rotfuchses
Der Rotfuchs ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. In ruhigen Gebieten und vor allem im Stadtbereich kann er auch tagsüber unterwegs sein. Winterschlaf kennt er nicht.
Er ist ein Einzelgänger mit festem Revier, das er mit Losung und Urin markiert. In nahrungsreichen Stadtgebieten um
fassen Reviere 30 bis 90 Hektar. In Waldgebieten und offener Agrarlandschaft sind 200 bis 700 Hektar typisch und in nahrungsarmen Gebirgslagen kann ein Revier 1.500 bis über 4.000 Hektar groß werden.
Als Nahrungsopportunist frisst der Fuchs nahezu alles, was er kriegen kann. Kleinsäuger vor allem Mäuse und Wühlmäuse bilden das ganze Jahr über die wichtigste Beute. Dazu kommen Bodenbrüter und deren Gelege, Junghasen, Wildkaninchen, Regenwürmer, Insekten, Obst und Beeren sowie Aas. Im Herbst frisst er reichlich Fallobst und Beeren.
Beim Mäusesprung setzt er weit aus, springt hoch und trifft mit den Vorderläufen punktgenau. Dabei orientiert er sich offenbar am Erdmagnetfeld. Eine Studie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften (Červený et al., 2011) wertete über 600 Mäusesprünge aus und stellte fest: Springt der Fuchs aus nördlicher Richtung an, trifft er deutlich häufiger. Die Vermutung ist, dass er das Magnetfeld als eine Art inneren Entfernungsmesser nutzt um die Tiefe der Beute unter Schnee oder Gras besser einzuschätzen. Vollständig geklärt ist das noch nicht, aber die Zahlen sind eindeutig.
Der Stadtfuchs ist eine eigene Geschichte. In deutschen Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München lebt der Fuchs seit Jahrzehnten mitten unter den Menschen. Er kennt Mülltonnensysteme, orientiert sich an Straßen und zeigt keinerlei Scheu. Stadtfüchse sind früher geschlechtsreif, bringen größere Würfe zur Welt und leben auf kleinsten Revieren.
Fortpflanzung und Aufzucht beim Rotfuchs
Die Ranzzeit fällt in die kältesten Wochen des Jahres, meist Januar und Februar. Rüden durchstreifen dann auf der Suche nach empfangsbereiten Fähen weite Strecken und dringen in fremde Reviere ein. Die Fähe ist nur wenige Tage paarungsbereit. Ihre Rufe klingen wie klagende Menschenstimmen wer sie nachts nicht kennt, hält sie leicht für Hilferufe.
Die Fähe wirft ihre vier bis sechs Welpen in einem Erdbau. Wo kein eigener Bau vorhanden ist, nutzt sie Dachsbauten, Kellerschächte oder Hohlräume unter Schuppen. Die Welpen kommen blind und taub zur Welt, sind dunkelbraun behaart und wiegen nur etwa 100 Gramm. Nach zwei Wochen öffnen sie die Augen.
Der Rüde beteiligt sich aktiv an der Aufzucht: Er bringt der säugenden Fähe Nahrung und später dem Wurf lebende Beutetiere, an denen die Welpen das Jagen üben. Im Sommer tummelt sich die Fuchsfamilie oft sichtbar am Bau. Ab August löst sich der Verband auf die Jungfüchse schwärmen aus und legen dabei teils über 100 Kilometer zurück, bevor sie ein eigenes Revier besetzen.
Feinde des Rotfuchses
Der Wolf ist heute der bedeutendste natürliche Feind des Rotfuchses in Deutschland. Wo Wölfe heimisch sind, meiden Füchse deren Kerngebiete weiträumig. Der Uhu erbeutet Welpen und Jungfüchse, gelegentlich auch der Seeadler und der Habicht.
Die größte Gefahr geht jedoch vom Straßenverkehr aus. Jungfüchse auf Reviersuche im Herbst sind besonders gefährdet und machen einen Großteil der Verkehrsopfer aus. Die Fuchsräude ausgelöst durch eine mikroskopisch kleine Milbe kann ganze Populationen dezimieren. Befallene Füchse verlieren das Fell, magern ab und sterben innerhalb weniger Wochen. Räudezyklen treten alle paar Jahre auf und können regional bis zu 90 Prozent eines Bestandes vernichten.
Lebensraum des Rotfuchses
Der Rotfuchs ist der anpassungsfähigste Beutegreifer Europas. Er besiedelt nahezu jeden Lebensraum: Agrarlandschaft mit Feldgehölzen und Hecken, Laub- und Mischwälder, Gebirge bis in alpine Lagen, Küstenbereiche und Marschen und eben den städtischen Raum. Entscheidend sind Deckung, grabfähiger Boden für den Bau und ein ausreichendes Nahrungsangebot. Wo beides stimmt, ist der Fuchs.
Rotfuchs-Vorkommen in Deutschland
Der Rotfuchs ist in ganz Deutschland flächendeckend verbreitet von der Nordseeküste bis zu den Alpen, in jedem Bundesland und nahezu jedem Landschaftstyp. Mit einer jährlichen Jagdstrecke von rund 500.000 Stück gehört er zu den am stärksten bejagten Wildtieren überhaupt. Der tatsächliche Bestand schwankt stark, da Räudezyklen und Witterung die Populationen deutlich beeinflussen.
In Österreich und der Schweiz ist der Fuchs ebenfalls weit verbreitet. In der Schweiz hat sich der Bestand nach dem fast vollständigen Zusammenbruch durch die Tollwutbekämpfung in den 1980er Jahren wieder vollständig erholt. Er besitzt das größte natürliche Verbreitungsgebiet aller Landraubtiere der Welt. Von Westeuropa bis Japan, von der Arktis bis Nordafrika der Rotfuchs ist überall.
Schutz und Jagdrecht
Der Rotfuchs unterliegt in Deutschland dem Bundesjagdgesetz und ist in allen Bundesländern jagdbar. Eine bundeseinheitliche Schonzeit gibt es nicht; viele Bundesländer schützen die Fähe jedoch während der Setz- und Aufzuchtzeit im Frühjahr. Die Tollwut gilt in Deutschland seit 2008 als getilgt damit ist der wichtigste historische Grund für intensive Fuchsbejagung weggefallen.
Ein bedeutendes Thema für Jäger ist der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis). Der Fuchs ist Hauptwirt dieses Parasiten, ohne selbst zu erkranken. Beim Menschen kann eine Infektion eine schwere Lebererkrankung auslösen. In Süddeutschland sind regional bis zu 60 Prozent der Füchse befallen. Wer einen Fuchs aufbricht, sollte Handschuhe tragen und die Losung nicht direkt berühren.
Rotfuchs in Wildparks
In Wildparks ist der Rotfuchs häufig zu sehen und erweist sich als lebhafter, neugieriger Bewohner. Wer zur Dämmerung kommt, hat die besten Chancen, ihn beim Erkunden seines Geheges zu beobachten. In manchen Parks werden auch zahme, aufgezogene Stadtfüchse gezeigt, die keinerlei Scheu vor Menschen kennen und nah an die Besucher herankommen.
[PS_wildtiere_fleischfresser]

