Steinmarder

Der Steinmarder ist ein sehr anpassungsfähiger Beutegreifer, der in Deutschland sehr weit verbreitet ist. Anders als viele andere Wildtiere hat er den Menschen und seine Siedlungen für sich entdeckt. Er bewohnt Dachböden, Scheunen und Garagen aber auch Felsspalten und in Wäldern. Vielen Menschen ist der nachtaktive Marder vor allem als lästiger Bewohner von Auto-Motorräumen bekannt.

Fakten zum Steinmarder

Männliche Steinmarder heißen Rüde, die weiblichen Steinmarder Fähe. Der Nachwuchs wird als Jungmarder bezeichnet.

Gewicht: ♂ 1,5 – 2,3 kg, ♀ 1,1 – 1,9 kg
Kopf-Rumpf-Länge: ♂ 45 – 55 cm, ♀ 40 – 50 cm
Schwanzlänge: 22 – 30 cm
Schulterhöhe: etwa 12 – 15 cm
Lebenserwartung: durchschnittlich 3 – 5 Jahre in der freien Wildbahn, maximal bis etwa 10 Jahre. In der Gefangenschaft in Wildparks bis zu 18 Jahre

Fortpflanzung des Steinmarders

Ranzzeit: Juni bis August
Tragzeit: etwa 8 – 9 Monate gesamt (mit Keimruhe), tatsächliche Entwicklung nur etwa 30 Tage
Geburt: März bis April, 2 – 5 Jungmarder

Wissenschaftlicher Name: Martes foina
Regionale Namen: Hausmarder
Englisch: Stone marten, Beech marten
Niederländisch: Steenmarter

Aussehen des Steinmarders

Der Steinmarder hat einen schlanken Körperbau mit kurzen Beinen. Der Schwanz ist lang und buschig. Sein Fell ist graubraun bis dunkelbraun gefärbt. Das auffälligste Merkmal ist der weiße oder hellgraue Kehlfleck an Hals und Brust, der sich gabelförmig auf die Vorderläufe aufteilen kann. Genau dieses Merkmal unterscheidet ihn auf den ersten Blick von seinem nahen Verwandten, dem Baummarder. Der Baummarder hat allerdings einen eher gelblich-orangen Kehlfleck.

Der Kopf des Steinmarders ist breit und dreieckig mit einer stumpfen Schnauze. Die Ohren sind kurz und abgerundet. Die Augen sind dunkel und wirken verhältnismäßig groß. An den Pfoten trägt er kräftige Krallen, die ihm das Klettern und Greifen erleichtern.

Unterscheidung von Steinmarder und Baummarder

In der Praxis werden Steinmarder und Baummarder häufig verwechselt. Neben dem Kehlfleck gibt es weitere Unterschiede. Die Nase des Steinmarders ist fleischfarben bis rosa, die des Baummarders eher dunkel. Außerdem ist die Fußsohle beim Steinmarder nur spärlich behaart, beim Baummarder dicht behaart.

Steinmarder halten sich häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen auf, während Baummarder tiefe Wälder bevorzugen und eher selten in der Nähe der Ortschaften vorkommen.

Lebensweise und Ernährung des Steinmarders

Der Steinmarder ist ein überwiegend nacht- und dämmerungsaktiver Einzelgänger. Tagsüber ruht er in seinem Versteck, das er je nach Lebensraum in Felsspalten, Gebäuden, dichten Sträuchern oder verlassenen Nestern anderer Tiere einrichtet. Winterschlaf benötigt der Steinmarder nicht. Der Steinmarder ist das ganze Jahr über aktiv.

Steinmarder sind sehr Gebietstreu. Rüden beanspruchen große Streifgebiete von mehreren Quadratkilometern, die sich mit den kleineren Revieren der Fähen überlappen können. Die Reviere werden mit Duftmarken aus den Analdrüsen markiert.

Der Steinmarder ist kein wählerischer Fresser. Seine bevorzugte Beute sind Kleinsäuger wie Mäuse und Ratten. Daneben stehen Vögel und Vogeleier, Insekten, Würmer und Aas auf dem Speiseplan. Im Herbst ergänzt er seine Ernährung gerne mit Beeren und Früchten, gerne auch Vogelkirschen. Durch diese Vielseitigkeit kommt er auch in nahrungsärmeren Zeiten gut zurecht.

Fortpflanzung und Aufzucht beim Steinmarder

Die Paarungszeit, die Ranzzeit, findet beim Steinmarder im Juni bis August statt. Nach der Paarung kommt es wie beim Rehwild zu einer Keimruhe: Das befruchtete Ei entwickelt sich zunächst nicht weiter. Erst ab Januar setzt die eigentliche Trächtigkeit ein, sodass die Jungmarder im März oder April zur Welt kommen.

Die Fähe bringt in der Regel zwei bis fünf Jungmarder zur Welt. Die Aufzucht übernimmt sie alleine. Die Jungen sind bei der Geburt blind und hilflos. Nach etwa fünf Wochen öffnen sie die Augen. Mit zwei bis drei Monaten beginnen sie, feste Nahrung aufzunehmen. Im Herbst des Geburtsjahres werden die Jungtiere selbständig und verlassen die Mutter.

Lebensraum des Steinmarders

Der Steinmarder ist bei der Wahl seines Lebensraums ausgesprochen anspruchslos. Ursprünglich ein Bewohner felsiger, offener Landschaften, hat er sich längst auch in menschlichen Siedlungen etabliert. Dachböden, Scheunen, Garagen und Keller bieten ihm ideale Verstecke. In ländlichen Gebieten bewohnt er Feldgehölze, Hecken und Waldränder.

Besonders bekannt ist der Steinmarder als Besucher von Fahrzeugmotorräumen. Er beißt dort gerne in Kabel, Schläuche und Dämmmaterial – vermutlich zur Reviermarkierung oder aus Neugier. Dabei kann erheblicher Sachschaden entstehen.

Steinmarder-Vorkommen in Deutschland

Der Steinmarder ist in ganz Deutschland verbreitet und zählt zu den häufigeren Raubtieren. Er kommt in allen Bundesländern vor, sowohl in ländlichen als auch in städtischen Gebieten. Großstädte werden dabei keineswegs gemieden. Ganz im Gegenteil, da das reichhaltige Nahrungsangebot und die vielen Versteckmöglichkeiten ihn regelrecht anziehen.

In Europa ist der Steinmarder von der Iberischen Halbinsel über Westasien bis nach Zentralasien und den Himalaya verbreitet. In Skandinavien fehlt er weitgehend, dort ist der Baummarder verbreitet. Auf den Britischen Inseln kommt der Steinmarder nicht vor. Dort ist der Baummarder auf Schottland und Irland konzentriert, in England nach wie vor sehr selten. In Österreich und der Schweiz ist er ebenfalls häufig anzutreffen.

Feinde des Steinmarders

Der Uhu ist der bedeutendste natürliche Feind des Steinmarders unter den Vögeln. Er kann sogar auch ausgewachsene Tiere schlagen. Weitere natürliche Feinde sind der Habicht, der Rotfuchs und gelegentlich größere Beutegreifer wie Wolf oder Luchs, wo diese vorkommen.

Eine große Bedrohung geht vom Straßenverkehr aus. Steinmarder legen in ihren Streifgebieten weite Strecken zurück und überqueren dabei regelmäßig Straßen. Besonders junge Tiere auf Reviersuche im Herbst sind gefährdet. In Siedlungsnähe kommt es außerdem zu Fallenfang und gezielter Nachstellung durch Menschen, die Schäden in Gebäuden oder Fahrzeugen vermeiden wollen.

Schutz und Jagdrecht

Der Steinmarder unterliegt in Deutschland dem Bundesjagdgesetz und ist damit jagdbares Wild. Im Gegensatz zum Baummarder ist er in den meisten Bundesländern nicht ganzjährig geschont – die Jagdzeiten variieren je nach Land, liegen aber typischerweise im Herbst und Winter. Er gilt als nicht gefährdet und wird auf der Roten Liste Deutschlands nicht geführt. Europaweit ist er weit verbreitet und keinem besonderen Schutzstatus unterworfen.

Steinmarder in Wildparks

In Wildparks ist der Steinmarder eher selten zu sehen, da er durch seine überwiegend nacht- und dämmerungsaktive Lebensweise für Besucher schwer zu beobachten ist. Wird er gezeigt, ist er meist in einem Gehege mit Versteckmöglichkeiten und Klettermöglichkeiten untergebracht. Sein flinkes und wendiges Verhalten macht ihn bei aufmerksamen Besuchern dennoch zum beliebten Tier.

[PS_wildtiere_fleischfresser]